Ausgerichtet von Klaus

Preuss of the South

Wunderschönen Morgen allerseits. Und das beste, es ist #​Freitag . Der 13. sogar.
Die Abergläubischen sollten heute vorsichtig sein. 😁🙋🏽‍♂️

Johnny Than

Das Foto hatte er vor 10 Jahren gemacht. Er hatte eine ganze Nacht auf diesem Stuhl gesessen. Es war immer ihr Stuhl gewesen.

Das war sein Abschied von seiner Eliza gewesen, die auf der anderen Seite der Mauer ihre ewiges Ruhebett gefunden hatte. In der Nacht vor 10 Jahren hatte sie noch mehrmals zu ihm gesprochen. Er hatte da gesessen, bis sie alles gesagt hatte und ruhen konnte.

Jetzt wird er bald wieder mit ihr sein. Er lächelt.

Devin McColey

Das Treffen der pensionierten Lehrkräfte war jeden Freitag gleich. Treffen an der Mauer, warten bis alle da sind, solange quatschen bis einem vom rumstehen die Füße schmerzen und dann zum Café gehen.
Irgendwer würde unterwegs lamentieren, daß hier Sitzgelegenheiten fehlen.
“Wer keinen Stuhl hat nimmt Rizinusöl”, kam es dann immer prompt von Ralf. Und alle verdrehen leicht genervt die Augen.
Aber nicht diesen Freitag, dafür hatte Rita gesorgt.

Stachelgarten

Lotte war seit 16 Jahren pensioniert, aber sie war noch immer sehr rüstig. Früher war sie bei der Friedhofsverwaltung und zu ihrem Aufgabenbereich gehörte die Pflege der schönen alten Sandsteinmauer. Sandsteine erinnerten Lotte an ihre Kindheit bei Oma und Opa, deshalb lag diese ihr besonders am Herzen. Der aktuelle Zustand der Mauer ärgerte Lotte und so beschloss sie etwas zu unternehmen, aber zuerst musste noch ein Stuhl zum Ausruhen her.

art.xalor.de

Der Stuhl stand morgens da, als hätte jemand die Nacht dort verbracht und nur das Warten zurückgelassen. Die Mauer sagte nichts. Sie hatte Übung darin. Hinter ihr lagen die, die auch nichts mehr sagten, und vor ihr die, die noch etwas zu sagen hätten, aber sich erst setzen mussten. Niemand setzte sich. Das Morgenlicht fiel auf den Stoff wie auf etwas, das man nicht anzufassen wagt.

Edith Mair 💙💛

Vierzig Jahre hast du mich tyrannisiert, beschimpft und gedemütigt, allein und neben unseren wenigen Freunden.
Nie durfte ich allein weggehen, nie Geld für mich ausgeben. Du aber hast deinen Lohn im Wirtshaus gelassen.
Deinen roten Stuhl, auf dem du jeden Abend breitarschig vorm Fernseher sitzend immer betrunkener wurdest – den hasste ich auch.

Du hast die Axt gekauft. Der Anwalt plädierte auf Notwehr.

Mögest du in der Hölle schmoren. Und dein Stuhl mit dir.

Tanja Wawuschel

“Lass Opa Zeit, Renée. Er wird eines Tages akzeptieren, dass sein Enkel René, mit dem er Fußball schauen, Angeln und Bäume fällen wollte, nie ein Junge war. Er wird Dich als Renée genauso lieben und wird verstehen, dass Ihr all das zusammen tun könnt.”

Renée hatte gewartet. Jahrelang.

Bis Opa verstarb.

Renée kommt noch heute, 10 Jahre später, jede Woche zum Friedhof, auf dem sie seit ihren OPs Hausverbot hat, setzt sich neben Opas Grab und gibt ihm seine Chance.

Mike G. Hyrm

immerzu harrend
im mauerschatten verfangen
umzingelt von kühlem stein
alle lebensgedanken
bis tief in meinselbst hinein
eiskalt zeiterstarrt
kann sein überhaupt fühlen
sinnlos sinn verdrehen
träumte ich dich
in mir
denn wenn ich
nicht träumte
von uns
wie könnte ichsein
überhaupt existieren

Serenityfreaksout🧩

Das internationale Ukulele-Event im Schlossgarten … und sie hatte keine Einladung erhalten.
Erst grollte sie, dann reifte der Plan. Monatelang Parcour-Training, Vorbereitung.

Das Trampolin auf der anderen Seite der Mauer würde den Fall abfangen. Ihre Ukulele war sicher verstaut im gepolsterten Beutel, fixiert am Körper. Der Stuhl zum Absprung hatte dieselbe Farbe wie ihr Lippenstift. Den Flop hatte sie drauf.

Eins, zwei, drei … go!

o/1MS\o ⌨️🐧 | #​⁣​​⁣​​​​​​​​WeAreNatenom

Er war es so leid.
Zuerst wurde das Schild mit dem Halteverbot aufgestellt, obwohl klar war, dass es sich um einen Gehweg handelte.
Trotzdem wurde geparkt.

Dann wurde der Poller aufgestellt.
Das hielt zwar die Falschparker ab, aber dafür knallten sie hier jetzt auf Fahrrädern und E-Scootern durch.

Doch diesem unlauteren Treiben würde er nun mit dem alten roten Stuhl einen Riegel vorschieben.
Mal sehen, ob er noch etwas weisse Farbe dazu fand.

Easydor

Eine Mauer
28 Mauersteine
Ein rundes Schild
und ein eckiges Schild
am Schildpfahl
Ein Pfosten mit zwei roten Ringeln
98 Pflastersteine
Ein roter Stuhl
Ein roter
Ein
Jetzt wohin
Laster laut
Wohin
“Komm Mama, wir gehn weiter”.
Die Frau kennt mich anscheinend. Gut.
Gehn wir weiter.

Yanira

Der rotpinke Stuhl, auf dem sie sass, war abgenutzt und unbequem. Neben ihr eine Wand, aus sehr großen Steinen gebaut, verwittert, von Moos bewachsen und rötlich-grau. Wie war sie hier hingegekommen? Vorsichtig berührt sie die Wand. Sie fühlt sich kalt an und leicht feucht.

Die kühle Sonne, die scheint, kann die Nässe der vergangenen Wochen offenbar nicht vertreiben. Sie steht auf und tastet sich die Wand entlang. Wo ist das Ende? Die Verwirrung wird stärker. Sie spürt den Luftzug, der über die Mauer streicht, er riecht nach Wald und Wiese. Doch wie kam sie dorthin? Den Boden ertasten ergibt nicht viel mehr. Die Platten fühlen sich glatter an, sie wackeln teils leicht.

Sie fühlen sich ein bisschen nach Einladung an. Warum denn nicht? Die Mauer ist undurchdringbar, der Stuhl ist unbequem. Sie legt sich auf den Boden, streckt sich aus und atmet tief durch. Der Verwirrung folgt eine leichte Stille, Ruhe breitet sich aus. Im stillen Sonnenschein schläft sie ein.

Fediverse Reactions

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