Ausgerichtet von fin 🦣
Devin McColey
Das kleine Dorf hatte ich immer gehasst. Ebenso die Leute, ihre Vereinsmeierei und überhaupt einfach Alles.
Hier geboren zu werden ist Pech. Hier auch zu sterben, selber Schuld!
Der Wagen ist nicht der geilste, abgesehen vom himmelblauen Lack. Ein alter Hobel aus den 80er, lange hält der nicht mehr. Schon gar nicht auf der Landstrasse mit 120 Sachen.
Im Radio steckt eine alte AC/DC Kassette fest. Der passende Soundtrack für die Kurve hinter dem Ortsausgangsschild.
Penelope
Hier hatte sie und viele ihrer Freundinnen ihre Unschuld verloren.
Sie nannten das Wrack den 7. Himmel – nicht zuletzt aufgrund seiner Farbe.
Danach war sie mit Ole im See schwimmmen gewesen. Er hatte es vorgeschlagen und sie wollte seinen Geruch auf ihrer Haut und am besten auch ihn selbst nur noch so schnell wie möglich loswerden.
Schon erstaunlich, dass er nie wieder aufgetaucht ist.
o/1MS\o ⌨️🐧 | # WeAreNatenom
Natürlich, war ja mal wieder nicht anders zu erwarten.
Ein schöner Fleck Natur, See, Berge und ein traumhafter Himmel.
Und natürlich hat irgendein Diesel Dieter nichts besseres zu tun, als seine alte Schrottkarre mittendrin zu entsorgen.
Kopfschüttelnd ging er weiter.
Aurin Azadî :mastodon:
„Schon wieder einer.“ Der Polizist wirkte genervt. Immer wieder fanden sie Autos, die in Naturschutzgebieten „entsorgt“ worden waren. Seine Kollegin fügte hinzu: „Da geben die Leute über Jahre zehntausende von Euro aus, um so ein Ding zu fahren und zu pflegen, aber für die sachgemäße Entsorgung ist dann angeblich kein Geld da.“ Beide dachten an den anfallenden Papierkram und seufzten. Mit der Zeit könnten sie wirklich besseres anfangen.
Tanja Wawuschel
1987 beschloss Petra, die gerade den Führerschein gemacht hatte, das Auto der Eltern zu verstecken. Vielleicht würden sie ihr, dem schwarzen Schaf mit bunten Haaren und Punk-Kleidung, so endlich einmal trotz Musik von Ärzten und Toten Hosen Aufmerksamkeit zuteil werden lassen
Heute, 40 Jahre später, steht das Auto immer noch als Erinnerung an Petras Familiengeschichte.
Auf Petras Grundstück. Als sie die Familie los gelassen hatte kam die Karriere als Musikproduzentin
FlexMorkis
“Soll ich mal nach dem Weg fragen?”
“Ich brauche niemanden Fragen.”
“Ich schau jetzt mal bei Google Maps.”
“Das ist eine Abkürzung, die ist da nicht eingezeichnet.”
“Ich hab keinen Empfang.”
“Katrin! Ich weiß wo wir lang müssen!”
“Du musst nicht brüllen.”
“Wenns dich stört, dann geh halt!”
“Okay!”
“Katrin! Du bleibst hier! Ich meine es ernst!”
Das Auto steht noch heute dort, als Mahnmal für die junge Frau, die unter ungeklärten Umständen im See ertrank.
Xela
“Doch, Renate, laut Karte sollte das eine Abkürzung sein!”
“Dieter! Dass du keine Navis magst, ist die eine Sache, aber deine tolle Karte ist doch aus den 80-ern. Laut OpenStreetMap sind wir mitten im gar nicht so neuen Naturschutzgebiet gelandet.”
“Ach Renate. Ist doch schön hier. Zur Familienfeier können wir auch später kommen.”
“Das war doch Absicht, gib es zu! Du mochtest Tante Erna noch nie.”
Cal Cloudwatcher
… als wir unser neues Auto endlich geparkt hatten und zum See hinunter schlenderten, strahlte die Sonne vom wolkenlosen Himmel.
Unten plantschten wir ein paar Minuten im Wasser und packten dann unseren Imbiss aus.
Satt und zufrieden legten wir uns für ein Nickerchen in den Schatten.
Als wir erwachten, hatte sich der Himmel bezogen und wir machten uns auf den Rückweg.
Auf dem Parkplatz wucherte hüfthohes Gras und unser Wagen war ein rostiges Wrack …
Feli
“Sind wir bald da?”
“Versprochen! – Schatz, frag halt nach dem Weg!”
“Ich weiß, wo wir sind. Schau, da ist schon -“
“Ich muss immer noch!”
“Du kannst gleich im Hotel -“
“Papa fährt Sofort. Rechts. Ran.”
Heute sind die Stimmen nur noch ein Flüstern. Als Mutprobe gehen die Kinder der Gegend zum Auto und sagen “Nächste Abfahrt links.”
Dann donnert aus dem leeren Innern eine Stimme: “Karten lesen kann ich selbst!!”, und es klingt, als würde ein Mädchen weinen.
Stenzz
3 x blau
der see
liegt da
als wäre liegen
ein beruf
ein paar hütten
üben ufer
das wasser
macht wasser
seit langem
im gras
ein auto
blau
wie eine schlechte erinnerung
des himmels
ein volvo kombi
wächst ins gestrüpp
kein mensch
kein schwimmen
landschaft &
liegenschaft
nur das gras
arbeitet sich höher
jahr für jahr
die postkarte
ertrinkt im blau des sees
Katja
Etwas hatte sie berührt, ein Fisch? Ein leises Grauen war in ihr aufgestiegen, und hastig war sie ans Ufer gewatet. Jetzt erklomm sie, seltsam steif, die steinige Böschung. Dort, wo sie ihr Auto abgestellt hatte, stand ein rostig-blaues Skelett aus Metall. Ungläubig trat sie näher. Der Seitenspiegel hing lose an der Tür. Als sie hineinsah, blickte ihr das Gesicht einer Fremden entgegen – eingerahmt von schneeweißem, langem Haar.
Sie schrie auf.

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