Ausgerichtet von Edith Mair 💙💛

Stachelgarten

Endlich war er wieder mal Zuhause, lange war er in der Welt unterwegs gewesen. Im alten Bett und in vertrauter Umgebung zu schlafen bescherte ihm einen ruhigen Schlaf, und so erwachte er wohl ausgeruht am nächsten Morgen. Das Wetter war etwas diesig, aber für die Jahreszeit recht angenehm. Er zog sich warm an und ging den wohlbekannten Weg zum Wald. Auf der Lichtung vor dem Wald stand sein alter Freund, ein Baum aus Kindertagen; beide alt geworden.

Devin McColey

Gleich einer alten, von der Zeit gezeichneten Hand, ragte der Baum aus der kargen Landschaft in die Höhe. So als wollte sich ein Elementargeist in seinem hölzernen Gewand aus der Erde erheben.
Die Leute in den umliegenden Dörfern hatten sich an die urigen, teils unheimlichen Gewächse gewöhnt. Und nur noch wenige von ihnen wussten zu berichten, wie viele Jahre vergangen waren, seit der Krieg der Magie-Akademien über das Land gewütet hatte.

Johnny Than

“So ein Mist”, dachte der junge Fux, während er den sterbenden Baum anschaute.

Er gehörte zu den ersten Tieren, die so explizit dachten. Ihre beste Theorie war, dass Mutter Natur in einem letzten Aufbäumen die Evolution beschleunigte, als letztes Mittel der Rettung.

Es lief alles auf die Frage hinaus: Versuchen, die Zweibeiner zu überzeugen oder die Zweibeiner von der Erde verbannen?

Er war sich nicht sicher, auf welche Seite er sich stellen sollte.

Matthias

Was wohl Rilke dächte
Wenn ihm jemand dieses Bildnis brächte?
Möchte er diesen sterbensschönen Baum?
Wohl kaum!

Rilkens Bäume müssen sich mit Ringen
Über – äh – “die Dinge” zieh’n
Dazu weiße Engelsschwingen
wie ein Wunderbaum aus Wien

Oder stand der gar in Prag?
Egal, ein Gehölz, das ihm gefällt
Ist eins, das auch die Lou gern mag

Und das ist Schuld, wenn irgendeines Schuld ist:
Die Axt, ein Förster, der vergisst …
Zack, der rilkeschöne Baum: gefällt

Serenityfreaksout🧩

Ein Baum ohne Vögel, was ist schon ein Baum ohne Vögel und Blätter auch keine da, ja, klar, ist ja Winter. Warum haben Bäume eigentlich kein Winterkleid, warum so nackig? Scherenschnitt-Look, minimalistisch. Das wirkt aber doch nur mit Schnee! So ohne Kontrast sieht das blöd aus. Schlagseite hat er auch. Mit dem Wind gewachsen, was?!

„Menschen!“ dachte sich der Baum, streckte kurz seine Wurzeln. Abrupt endete der Redeschwall des strauchelnden Zweibeiners.

Katja

Hätte ich doch die Kraft meiner Vorfahren, die sich frei bewegten, nach Belieben Wurzeln schlugen, wo immer sie wollten. Die nicht die immer gleiche Lichtung betrachteten.
Manche sprachen wie die Menschen mit ihren Äxten. Andere verfügten über magische Kräfte, oder sangen.
Ich begnüge mich mit dem Wechsel der Jahreszeiten. Und manchmal ruht sich ein einsamer Mensch ohne Axt an meinem Stamm aus, und schon ist die Lichtung weniger leer.

Penelope

Ich bin nicht besonders schön.
Bin nicht größer
oder besser
oder einzigartiger
als andere.

Macht es für die Welt als Ganzes einen Unterschied, ob es mich gibt?
Vermutlich nicht.

Aber für mich macht es einen Unterschied.
Und vielleicht auch für Dich.

Cord Gudegast

„Ich habe den Baum gefunden. Folge jetzt der Neigung der Krone nach Nordwesten. Kommen“, flüsterte Charlotte in das Funkgerät und wartete die Bestätigung ab, bevor sie weiter über die Wiese in Richtung Wald schlich. Dort muss sich das Versteck der Gesuchten befinden, wenn ihre Informationen stimmten. „Wir haben deinen Standort. Owen und Comfort nähern sich von der anderen Seite“, hörte sie Jack durch den Knopf in ihrem Ohr. Gut! Auf geht’s

Mina

Seit Tagen kriecht der Nebel über Berge und Wiesen von allen Seiten näher.

Seit gestern gibt es keinen Strom mehr. Kein Problem, ich habe ja Kerzen und Bücher.

Heute mache ich mich auf den Weg durch die Weiße in Richtung Dorf. Nach ein paar Schritten steht dunkel vor mir ein Haus, das nicht da sein sollte.

Es ist meins.

In keine Richtung ein Entrinnen: Jeder Weg führt mich stets zurück.

Feli

“Grüß euch! auf dem kahlen Gipfel
pünktlich zur Johannisnacht.
Sucht euch gleich die besten Wipfel.
(Und chapeau für eure Tracht!)

Nehmt euch Wein und was zu essen
und vergesst die Last der Welt –
bitte eins nur nicht vergessen:
Aufstehn, wenn Er Einzug hält!

Ah, die Hexen wollen starten.
Ist ja auch schon kurz nach acht.
Nun heißt’s nicht mehr lange warten,
bis St. Elmo mich entfacht. 😎

Schwarz die Borke, schwarz der Frack:
Hoihoi -“
“Satanistenpack!”

Andrea Kilgus

So ist die beste Zeit im Jahr
nun ohne diese Blätterschar
der Winter. Kein Wassersuchen,
Durst und auf die Dürre fluchen!

Der Sonne Hitze mich verschont,
wenn sie meist hinter Wolken thront.
Gibt es dann Frost, grins ich nur schief,
denn meine Wurzeln reichen tief.

Komm schon, Windchen, lass uns spielen!
Kannst direkt nun auf mich zielen!
Magst mir um die Rinde pfeifen?
Deinen Böen bind ich Schleifen!

Ihr schaut mich vielleicht an und denkt:
„Wie karg!”. Doch ich seh mich beschenkt.

Deathcat2508

👑

Knorrig und nackt stand er da. Beschämt, dass er bereits alle Blätter verloren hatte. Er konnte das hämische Kichern der Bäume im nahen Wald hören, wie sie mit den Blättern raschelten. Aber er war der Hüter, stand allein abseits, war den Launen der Elemente ausgeliefert. Seufzend wartete er auf die Nacht, dann würden sie kommen, er freute sich immer auf sie. Die Katze, die sich an seiner Borke rieb oder die Eule, die so gerne in seinen Ästen Ausschau hielt.

PrinterAngel🏳️‍🌈

Der Baum links am Weg markiert den halben Weg nach Hause. Lange schon sind die heruntergefallenen Äpfel genascht worden. Ob es in diesem Jahr nochmals Schnee geben wird, ist unsicher, sicher aber werden in einigen Wochen wieder Blüten ansetzen. Immer ist was anderes.
Wie’s aussieht, wird sie noch einige hundert Mal diesen Weg gehen, fünf Tage die Woche hin und zurück.
Jetzt aber freute sie sich auf die warme Wohnung und eine Tasse Tee.

o/1MS\o ⌨️🐧 | #​WeAreNatenom

So wie der Baum am Wegesrand nagte auch an ihm der Zahn der Zeit. Und auch er war kahl obenrum.

Aber anders als der Baum mit seinen jährlich neu wachsenden Blättern würde er nicht wieder das Gefühl von spriessendem Haar auf seinem Kopf erleben können.

Seufzend ging er weiter.

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