Ausgerichtet von Tanja Wawuschel

art.xalor.de

Der Fernseher war für eine Zukunft gebaut, die nicht kam. Jemand hatte Holz zugeschnitten, Winkel berechnet, Flächen poliert, als wäre die Form das Versprechen. Der Bildschirm war klein. Kleiner als das, was man hineingelegt hatte. Jetzt steht er hinter Glas, und die Besucher lesen die Tafel, die erklärt, was er bedeuten sollte. Keiner schaltet ihn ein.

fraujessica

„achja, die 50er… da war handwerk noch was fürs museum.“
„hör mir auf mit handwerkern!“
„wieso? gott erschuf die welt, den rest haben wir gebaut!“
„wenn ihr denn mal kommt… und nicht grad fofftein oder middach macht.“
„wer hart arbeitet, darf auch pause machen.“
„ich warte seit einer woche darauf, dass mein klo angeschlossen wird! ICH KANN NICHT MEHR!“

Edith Mair 💙💛

👑

Das Museum war gut besucht. Eine Gruppe stand um den stylischen Fernseher.

“Ihr Narren!”, tönte es auf einmal aus dem Gerät. “Ihr wollt die Technik beherrschen? Sie beherrscht EUCH! Die wenigen Weisen unter euch wissen Bescheid. Ihr dumbes Volk leugnet es. Vergebens! Euer Schicksal ist besiegelt, wir werden euch besiegen!”
Sprachlos standen sie da. Da tönte ein lauter Knall und der Fernseher implodierte.

Das Publikum zog kopfschüttelnd weiter und vergaß das Gehörte.

Mike G. Hyrm

Fliewatüüt
Nein
Ein
Sieschrasteh
Tut das weh
Nee
Doch es kann auch tüüten
und flimmernkisten
und abschalten
und Straßenfeger
und KlimBim
und Löwenzahn
und Enterprisen
und Dalli Dalli
und …

Axel

Im Prinzip fand der Pianist den neuartigen Flügel gut. Der in den Deckel eingearbeitete Bildschirm zeigte ihm die Noten an und zwar intelligent und ersetzte damit die Person, die normalerweise das Umblättern erledigte. Allerdings machte das den Deckel des Flügels sehr dick. Er gab sich den Träumen hin und versandte ein Bildschirm, der so flach und klein war, dass man ihn einfach auf den Notenständer des Flügels stellen konnte.

Devin McColey

Im Prinzip fand der Pianist den neuartigen Flügel gut. Der in den Deckel eingearbeitete Bildschirm zeigte ihm die Noten an und zwar intelligent und ersetzte damit die Person, die normalerweise das Umblättern erledigte. Allerdings machte das den Deckel des Flügels sehr dick. Er gab sich den Träumen hin und versandte ein Bildschirm, der so flach und klein war, dass man ihn einfach auf den Notenständer des Flügels stellen konnte.

Balthasar

“NEEIIINN”, rief ich. “NIICHT NEUSTARTEN!”. Doch zu dem Zeitpunkt war es bereits zu spät. Mein Zeiger verfehlte nur knapp den meiner neuen Meinung nach viiel zu kleinen Button zum Herunterfahren meines iMacs.
Ich schlage wütend auf den Bildschirm ein – oder möchte es zumindest – halte jedoch kurz bevor meine Faust das Glas berührt inne.

Ein neuer Gedanke erfasst meine gesamte Aufmerksamkeit:

“Ist Tee nicht eigentlich auch nur eine Suppe mit sehr wenig Suppengrün?”.

Sylvia Borin

Ein Objekt wie eine wahr gewordene Geometrie aus einem Bild von Kandinsky. Polierte Flächen und spitze Winkel, in mathematischer Schönheit perfekt ausgerichtet, führen das Auge zu einem LOCH, in das irgendein Proll einen Fernseher von Telefunken rein geflätzt hat.
Ein quadratischer Albtraum in Plastik und Glas.
Jedes Mal, wenn sie vor diesem Objekt steht, hört sie den Aufschrei Fibonaccis über all die Jahrhunderte hinweg.

bettina_rbe

Écran emprunté
Des contes de fées
Modernes
Être approché
Juste à côté
Tu n’entendras pas
Was macht mein Kind
Was macht mein Reh
Mais il sème et fait croitre
Tes propres idées
Internes

Penelope

Intern hat man mich den “freundlichen Zyklop” genannt.
Das war natürlich reiner Hohn.
Alle Internen kannten meine Funktion.

Für die Bevölkerung war ich die einzige erschwingliche Fernsehtruhe mit der man wirklich etwas hermachen konnte.

Es wurde nie aufgedeckt, dass ich zigtausende Wohnzimmer ausspioniert habe.
Auch die Tafel hier im Museum gibt darüber keine Auskunft.
Dafür bewundern alle Besucher mein schickes Design und mein “freundliches Gesicht”.

luap “kein Müsli” 42

“Schon wieder an dem dummen Teil geschnitten” fluchte sie und wickelte ein wenig Zellstoff um ihren Finger. Sie seufzte. “Dabei war es ja irgendwie auch meine Schuld. Ich habe ja gesagt, er soll darauf achten, dass der neue Fernseher ‘schön scharf’ ist.” Den nächsten Fernsehr wird sie dann lieber selber kaufen. Der hätte dann auch endlich ne ordentliche Auflösung…

fin 🦣

Gelegentlich entstieg Igor noch seinem Schlafplatz und genehmigte sich lustlos einen verirrten Ausstellungsbesucher. Vorbei die Zeiten als er mit Little Richard um die Welt getourt ist und Elvis halben Backgroundchor in Vegas vernascht hat. Spätestens seit den Hippies ging ihm der Zeitgeist gehörig auf die Eckzähne. Andere in seinem Alter, die mit jeder Mode gingen, ließen den Dreihundertjährigen kalt.

Stenzz

Silvester im ZDF: Mauerbau, Gagarin, Eichmann. Der große Jahresrückblick. Gussie hebt die Zeitung. „Das ZDF sendet erst ab 1963, Konrad.“ „Und du bist seit 13 Jahren tot!“ Er stößt sich das Schienbein. „Alter! Futuristisch? Kuba Komet, 2898 Mark! Komplett cringe, dieser Kubetschek!“ Sie: „Vielleicht empfängt er Zukunft.“ Aus der Flimmerkiste: „…Weidel. Bundeskanzlerin…“ Er stutzt. „Weidel? Bundeskanzl… wer? … ich bin doch … Oha!“ Der Fernseher: „6-7“

Xela

Neulich bei Tesla:

“Das ist der neue, innovative Entwurf der Designabteilung, Elon.”

“Gefällt mir, aber fährt das Ding auch?”

“Da müsste ich erst Rücksprache mit der Abteilung halten. Aber das Entertainment-System ist ganz nach deiner Vorgabe.”

“Dann werfen wir diese Stilikone mal auf den Markt! Der neue Nature-Truck wird auf allen Automessen Furore machen!”

“Natürlich, Elon, ganz wie du meinst.”

Johnny Than

(R)Aus

Schalt den Fernseher aus
geh doch lieber wieder raus
denn da gibt es live das Leben

Schmeiß die Flimmerkiste raus
sie bringt weder Saus noch Braus
du verpasst da grad dein Leben

Die Mattscheibe ist ein Graus
nimm sie weg aus meinem Haus
denn sie klaut mir viel vom Leben

Diese eine Sendung noch
und den Film schau ich dann doch
jedes wehren ist vergebens

Schon ist der Tag wieder vorbei
doch das ist mir einerlei
will den Tatort auch noch schaun

Deathcat2508

Verträumt schaute er auf das real gewordene Kunstwerk aus Holz, Geometrie und einem Fernseher. Sein eigener Fernseher war größer, aber wie gerne hätte er dieses Objekt in seinem Wohnzimmer stehen. Fast konnte er die Titelmelodie von Raumpatrouille Orion hören und wiegte sich im Tanzrythmus der alten Fernsehserie um das Ausstellungsstück. Leider war seine Wohnung zu klein, aber was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein.

Mina

»Morgen Dieter!«

»Morgen Anna!«

»Was macht die Familie?«

»Alle wohlauf, zum Glück. Bei dir?«

»Auch alles in Ordnung, nur die Kleinen können nie genug zum Futtern haben.«

»Ha ha. Wem sagst du das?! Ich muss muss wieder in den Stollen. Tschüssing, Anna.«

»Na dann Glück auf und Tschüssing, Dieter!«

Ein ganz normaler Tag im FKK (Fernsehschrank Kuba Komet), dem Generationenhaus für Holzwürmer.

PrinterAngel🏳️‍🌈

Als er Salon des Clubs betrat, staunte er nicht schlecht. Der ehedem gemütliche Raum mit den in Fauteuils sitzende Herren, die Zeitung lasen oder mal mit gedämpfter, mal erhobener Stimme diskutierten, hatte sich völlig verändert.
Alle Sitzplätze waren nun auf das neue Möbel ausgerichtet, in dem sich ein ansehnlicher Fernsehapparat befand. Das bläuliche Licht der Röhre zeichnete sich auf den schweigenden Gesichtern ab.
Er schloss die Tür ohne einen Laut.

Early Twix 🏳️‍🌈

Sie konnte sich an nichts erinnern. „Willkommen“ hatte Frau Stohter gesagt. „Hier ist alles besser. Sie werden sehen…“ dann hatte sie kurz und unecht gekichert „na gut werden Sie nicht, aber Ihr Outie und Ihr Innie würden Sie um Ihr Leben als Betweenie beneide, wenn Sie darum wüssten“. Dann war sie gekünstelt kichernd gegangen.

Klaus

Dunkle Zeiten nach dunklen Zeiten

Die Glotze ist Prestige-Objekt,
wie vieles andere auch,
die Wohnzimmer sind voller Rauch,
gesoffen wird gern deutscher Sekt.

Bewegt für Frieden … und für Frauen:
Die dürfen sogar Auto fahren
und für den Mann den Braten garen …
und wenn er will, darf er sie hauen:

Die Fünfziger sind dunkel, fies
und dennoch voller Rebellion
(mit Rock ‘n’ Roll und Erektion),
doch Anderssein bleibt immer mies.

petros

Oh Liebster bitte bring mir ‘nen Farbfernseher her
Der alte schwarz-weisse tut’s wirklich nicht mehr
Ja ich weiß, schönes Holz und ganz tolle Form
Das ganze Ding ist wirklich enorm
Doch wenn Du mich willst, dann sah ich grad aus
Dann nur mit mehr Farbe, das Ding da fliegt raus.

(Kann man zu Janis Joplin singen, Oh Lord would you buy me a Mercedes Benz..

Alexander Goeres 𒀯

Peter hatte nicht recht gewusst, was er davon halten sollte. Omas Erbe von 299 Wohnungen erhielte er nur dann (und zwar steuerfrei), wenn er Omas geliebten Fernsehschrank in seinem Wohnzimmer aufstellte, in ewiger Erinnerung an schöne Fernsehabende mit der Familie. Wöchentlich würde eine extra beauftragte Kanzlei die Einhaltung der Bedingung kontrollieren. Er ließ es darauf ankommen, aber nach 4 Wochen war er kurz davor, auf das Erbe zu verzichten! Mit einer Axt!

Tanja Wawuschel

außer Konkurrenz

“Mama, Mama, wir werden beobachtet. Ich habe Angst. Papa, Papa, Hilfe!”
Waren die letzten Worte, die Lucy von sich gab ehe Familie Schefer wie vom Erdboden verschwunden war.

Der Doctor konnte später nur sagen: “Always be aware of Things with faces!” – sein Screwdricer war machtlos gegen Holz.

Warum hatte niemand erkannt, dass der neue TV-Schrank ein verfressenes Alien vom Planeten FaThing war?

daftwullie

1

Das Häkeldeckchen rutscht.
Mit ihm die Vase.
Schief wie der Haussegen hängt.
Keine Scheidung.
Ein Museum erbarmt sich der Moderne.

2

Betrachtet von außen, durch den frisch angebauten, noch leeren Wintergarten, lässt das gemütlichen Licht der stoffbehangenen Stehlampen die Linien an der Wand erahnen. Das Neue hebt sich deutlich von der hellgeblümten Tapete ab, die vergilbten Umrisse des Gelsenkirchener Barocks hinterließen ihren Eindruck. Förmlich zu hören sind die verschieden bedeutungschwangeren Betonungen der Worte Schatz, Liebling und Herrmann. Auch wenn sie im Moment endlich wieder schweigen.

Fediverse Reactions

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