Ausgerichtet von Edith Mair 💙💛
fin 🦣
“Wachse über dich”
“Raus aus deiner Komfortzone”
Seit 1982 wirbt Bernd mit diesen Sprüchen. Angefangen hatte er mit Selbsterfahrungswochenenden in den Bergen. Da hat er verunsicherten Städtern die Augen verbunden. Stuhlkreis und Gedichte vorlesen. So ging das los. Mit den Jahren wurde es immer spiritueller. Irgendwann konnte er die Kraftquell-Sprüche nicht mehr hören. Jetzt schickt er Influencer ins kalte Wasser. Fotosafari für hochwertigen Content
Fortsetzung außer Konkurrenz:
Ich weiß, jeder nur einen Text und Bernd mag ein zynischer Geschäftsmann sein mit seinem abgefuckten Influencer-Fotoservice, aber jetzt bat er mich darum, hier innerhalb von zwei Tagen zwei Menschenleben retten zu dürfen. Okay. Bernd. Zeig, was in deinen müden alten Knochen steckt. Go for it.
fraujessica
Er spürte Wärme und Licht. Die Sonne bekam wieder Kraft. Schnee schmolz und kalte Wasser flossen in ihn ein. Seit Abermillionen Jahren das gleiche Spiel. Er würde sich verwandeln, plätschern und mitreißen. Bald werden Fische ihn kitzeln. Er freute sich jedes Jahr. Doch es wuchs auch seine Sorge, denn er merkte, dass er in den letzten Jahrzehnten immer schwächer wurde. Mit Kummer blickte er zurück auf die verschwindenden Gletscher.
Johnny Than
Ronja schaute auf den Fluß, der ihr in der Kindheit so oft Wasser, Entspannung, Kühlung und Spaß gegeben hatte. Die vielen Farben lösten eine Erinnerungswelle in Ihr aus und ein Stück Seelenwärme kehrte zurück.
Ach, hätten Birk und Sie damals bloß im Wald bleiben können. Aber der Wald wurde damals eng, und sie wollten die Welt sehen.
Jetzt stand Sie allein vor der Frage: Wollte Sie das Kind in ihrem Bauch im Wald oder in der Stadt aufwachsen sehen?
Stenzz
👑
Schmelzwasser
In Bächen und Flüssen
Sammelt sich
Schmelzwasser.
Gefrorene Gedanken
getaut aus Küssen
Frühlings schwellen
die Flüsse an
Eisdome bersten
Das Schelfeis zerspringt
Unter jenen Wellen
Erinnerung und Traum
gelöst aus Kristallen
fallen wie das Blatt vom Baum
Die Spiegel der Meere
Heben sich
Und weben mich
als Tropfen in die Leere
Mina
Vorsichtig und mit Bedacht klettert der Vater nebst zweier Kinder an der Wand oberhalb des Bachs entlang.
Auftritt Ringelnatter – ein stolzes Exemplar von einem Meter und einem halben, schlängelt sie sich durchs Gewässer.
“Seht dort unten, eine Schlange!”
Zwei Kinder, ein Gedanke: Beide lösen sich vom Fels und springen, sich fest an Papa zu klammern.
Papa wankt, schwankt, fällt – nur fast – in den Abgrund. Erleichtert er die Kleinen hält, ganz fest.
Balthasar
“Dasselbe wie immer.”, anwortet Martin sicher und richtet seinen Blick gegen das Marmorfenster, vor welchem er schon so häufig saß. Im Hintergrund hört er seinen Bediensteten Die Moldau auf dem Wohnzimmerflügel anklingen.
Sofort entgeht ihm ein tiefer Seufzer. Nachdem Vater das Schloss Ende letzten Jahres entgegen Martins Wunsch zum Verkauf gestellt hatte, ist es nur noch eine Frage der Zeit, dass er sich von seinem Lieblingsplatz im Ecksaal verabschieden muss.
Klaus
HERBST
Bei schönen Dingen innehalten,
da sein, spüren, weiter nichts,
und in der Ruhe Kraft entfalten:
das ist der Sinn auch des Gedichts
sowie der Sinn von manchem Bild,
das schöne Dinge derart zeigt
dass Stille in die Seele quillt,
und alles andre endlich schweigt.
Farben und Gerüche, Klänge,
Wind oder auch laue Luft:
wahrzunehmen gibt’s ne Menge,
Herbst hat seinen eignen Duft.
Und keine andre Jahreszeit
hält diese Farbenpracht bereit!
Penelope
🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊
Als Regentropfen fiel ich von oben
auf einen spitzen Stein
Statt abzuprallen bin ich zerstoben
um gleich wieder Wolken zu sein.
Als Schneeflocke bin ich herab geglitten
hab mit meinen Freunden Kälte gelitten
Die Sonne erst löste den eisigen Bann
wir strudelten fröhlich hinab durch die Klamm.
Dann gleich Richtung Ozean
oder erst durch den Wasserhahn?
Am Ende fang ich
von vorn wieder an.
🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊🌊
Stachelvieh
draufblick
ich bin so hart
bin mineral
gehoben vom feuer
der erde
kaum eine kraft
dringt in mich ein
seit ich ein
felsen werde
was hab ich alles
schon gesehn
überblicke nicht
nur weiten
ich sah das leben
kommen, gehn
auch gutes und
schlechte zeiten
ein spalt zieht sich
nun durch mich hin
und spaltet auch
mein denken
warum die menschen
dieser welt
sich so viel
grauen schenken
schau nur hinab
wad mich geteilt
mit stetem
dunklen tosen
darin ist salz
seit anbeginn
in tränen wurds
vergossen
es fließt die
ganze zeit vorbei
und sammelt sich
im meere
wie schön wärs
kämen mehr aus tränen
deren ursprung das
glück doch wäre
Devin McColey
Wie lange schon? Ich weiss es nicht. Seit Jahren arbeite ich daran.
Und wenn der Winter viel Schnee bringt, dann werde ich im Frühjahr mit noch größerem Eifer mein Werk fortsetzen.
Stunde um Stunde, jeden Tag, Jahr für Jahr. So nage ich an diesem Felsen, bis er eines fernen Tages eine tiefe, kühle Klamm sein wird.
Denn steter Tropfen höhlt den Stein.
bettina_rbe
Einst ein Teleschiffchen
Allein
Am blauen Fernse(e)h
10 Fuß dahin
Havarie
10 Fuß dorthin
Havarie
Ins Weite
Gelangte es nie
Eines Tages jedoch
Man weiß nicht wie
Fand es die Stelle
Stromauf
In den Fluss den Bach
Zur Schnelle
Ins Helle
Serenityfreaksout🧩
„Zu laut! Unerträglich laut!“
Das Geländer umklammernd atmete sie tief und langsam ein, um die Panikattacke zu bändigen. Langsam beruhigte sie sich, ihr rasendes Herzklopfen wurde schwächer.
Zum Glück entfernte sich die Gruppe plappernder und schwatzender Menschen schnell wieder, nachdem sie alle ein Selfie mit der Schlucht im Hintergrund gemacht hatten, deren Namen sie bereits wieder vergessen hatten.
Endlich konnte sie in aller Stille Wasser und Wind lauschen.
Sylvia Borin
Fließende Ewigkeit
Die Schlucht atmet.
Wasser, fließt grün und wild,
schleift den Fels zu Samt –
tausend Jahre sind ein Tag.
Moos umarmt die Steine,
Licht zersplittert im Strom und taucht die Szenerie in irrisirendes Licht, das das Auge täuscht.
Der Mensch verweilt nur einen Wimpernschlag im Fluß der Äonen, während die Zeit die Elemente nutzt um ihre Kunst zu vollenden.
Xela
“Also, willst du bei uns mitmachen oder nicht?”
“Weichei! Wir haben’s alle geschafft.”
“Spring und beweise deinen Mut! Sonst bist du nicht würdig, ein Bandenmitglied zu sein!”
“Nun mach schon, du Feigling!”
In tiefer Trauer geben wir den tragischen Tod unseres geliebten Felix bekannt. Eine viel zu kurze Zeitspanne war ihm in unserer Mitte vergönnt, doch ist er für immer in unseren Herzen. Am Ende des Regenbogens werden wir uns wiedersehen.
Tanja Wawuschel
“Geh wandern, haben sie gesagt. Das hilft bei psychischen Problemen #NotJustSad haben sie gesagt.” Jammerte Bärbel “Dass ich mich verlaufen werde haben sie nicht gesagt!”
Als Bärbel den kleinen Bach erblickte beschloss sie, diesem zu folgen, um nicht mehr im Kreis zu irren.
Dass sie der Bach tiefer in die #Depression führen und verlockende Möglichkeiten zum Schluss machen aufzeigen würde verstand ihr Umfeld erst als man ihre Leiche in der Schlucht fand.
o/1MS\o ⌨️🐧 | #WeAreNatenom
“Folge dem Wasser durch versteckte Schluchten, spüre die Felsen unter deinen Händen und tauche ein in ein Abenteuer, das dich an Orte führt, die sonst unzugänglich sind.”
So lautete die Werbebotschaft auf der Webseite, wo er die Canyoning-Tour gebucht hatte.
Jetzt kamen ihm doch Zweifel, ob es wirklich eine gute Idee gewesen war.
Aber er war in einem Alter, wo es bald nicht mehr viele Gelegenheiten dazu geben würde. Also sollte es wohl jetzt sein.
Deathcat2508
Schnaufend hielt der Bär inne und betrachtete den vor ihm liegenden Flusslauf inmitten der felsigen Klamm. Der Weg hatte sich gelohnt, nur noch ein paar Meter weiter und er würde sich die Fische praktisch ins Maul springen lassen. Bei dem Gedanken daran leckte er sich über die Schnauze und kratzte sich mit der Tatze am Hinterteil. Dann machte er sich vorsichtig auf den Weg, bloß nicht abrutschen, auf ein Bad hatte er gerade nun wirklich keine Lust.
Katja
Sonntagabend. Wummernde Bässe, Schritte poltern durchs Treppenhaus, ein kläffender Hund, darüber der kreisende Rettungshubschrauber. Stadt zeigt, was sie kann.
Und Mensch will nur sein, schlafen – die Welt auf stumm stellen.
Erinnerungen werden in die Bettdecke gewickelt: Wandern in Ruhe, der Körper wach, die Gedanken still, Natur spürend, Spuren im Schlamm, rauschendes Wasser in der Klamm, der Geruch von Herbstlaub, Dankbarkeit.
Mike G. Hyrm
das strömende
unerbittlich schleichend
rege treiben
reibt unbekümmert
grausam
tiefe einschnitte
in jedwedes fundament
treibt furchen
unnachgiebig
umtriebig
in ganze universen
zerteilt
zerstückelt
zerstört
zerreißt
vernichtet einen teil
doch verbindet dies
obwohl es trennt
schlussendlich
ozeane
Alexander Goeres 𒀯
drunten bei des baches kühle
wollt ich bauen eine mühle
die fundament’ in fels geschlagen
sollten ein großes mühlrad tragen
um dort bestes korn zu schroten
doch die ökos hams verboten!
Stachelgarten
Stein;
Wasser;
Stein;
mittendurch;
so fließt es fein;
aus den Bergen;
bis zum Rhein.
daftwullie
Er konnte schon Salz auf seinen Lippen schmecken, Algen riechen. Er fühlte warmen Sand zwischen seinen Zehen, sah Palmen am Strand und hörte sich sagen “Das sollten wir unbedingt machen, ich bin dabei.”
Jetzt stand er oberhalb des Gletscherbaches, eingezwängt in Neopren. Er fror, sträubte sich gegen das Bevorstehende und verfluchte seine überstürzte Zusage.
“Dort schwimmen, wo der Klimawandel es bald nicht mehr zulässt”. Hörte sich anfangs wirklich gut an.
Axel
Ach wie schön war das damals ,träumte der Lachs. Er war erschöpft. Den künstlichen Aufstieg neben der Schleuse hatte er noch geschafft und war dann am Staudamm gescheitert. Es ging nicht weiter. Früher war das kein Problem und damals gelangte er an den richtigen Ort, um seinen Laich abzulegen. Die Zukunft sah düster aus. Künstliche Befruchtung und Aufzucht in norwegischen Farmen. Er seufzte und kehrte um.

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