Ausgerichtet von Sylvia Borin

fin 🦣

Er zog zufrieden an seiner Zigarette und knipste zugleich mit dem Handy. Der richtige Ort für die Szene. Die verzweifelte Romantik. Die bemühte Gemütlichkeit. Das passende Motiv für den langen Dialog. Ein stimmiger Ort für die endgültige Trennung nach so vielen Versuchen. Den Gegenschuss in Richtung der Häuser. Den Fuhrpark auf den Parkplatz von der Fischbude. Schnell noch die Fotos und dann Feierabend.

Marcus (testet Sharkey)

Da sind sie wieder.

Das Wetter ist ausgezeichnet und dann kommen sie immer in Scharen. Als ob ein Bus angekommen wäre. Gut, das ist tatsächlich auch so. Unzählige Busse mit unzähligen Menschen für unzählige Fischbrötchen.

Sie alle wollen an den Strand, ans Meer. Sie alle wollen, Fischbrötchen und Bratwurst. Sie alle wollen Fotos von sich, vom Meer, vom Strand, vom Fischbrötchen.
Dann sind sie satt, vom Fischbrötchen, vom Strand und vom Meer.
Sie werden in diesen unzähligen Bussen wieder weggekarrt bis nur noch Die Möwe und ich und das Fischbrötchen über bleiben

… diese verdammten Touristen.

Devin McColey

Matjes statt Schnitzel.
Rollmops statt Frikadelle.
Tee statt Kaffee.
So riesig ist der Unterschied zwischen einer Grillbude im Pott und einem Strandgrill am Deich dann auch nicht. Und Bratwurst verkauft sich überall.
Doch hatte Herta versäumt sich auf das Lokalkolorit vorzubereiten. Denn mit “Mahlzeit” wollte hier niemand begrüsst werden.

Deathcat2508

Piet beäugte mit zusammengekniffenen Augen das Treiben auf der Deichpromenade und steuerte den Strandgrill an.
“Moin. Woo gaajt dii? Woo altiid?”
“Joo as altiid.”
Er bekam sein Fischbrötchen, legte ein paar Münzen auf die Theke, nickte und ging.

Stachelgarten

Wilma sah sich kurz um, es war ein schöner Tag, vermutlich würden viele Touristen eintrudeln. Fred räumte die stehengelassenen Pappteller der letzten Gäste weg. Als beide wieder am Tresen standen, sahen sie zwei Amerikaner antraben, man konnte sie leicht an den Basecaps und T-Shirts erkennen. Wilma wollte gerade fragen, was sie möchten, als der Amerikaner zu seiner Frau sagte: Look, those damn crazy Germans, now they’re baking buns made of fish.

Mina

Das Augenrollen hatte sich Jette längst abgewöhnt.

Mindestens jeder zweite, der sich an ihrem Büdchen mit Fischbrötchen versorgte, wollte besonders originell sein und verabschiedete sich mit “Mach’s gut und danke für den Fisch”.

Meist quittierte sie den abgekauten Spruch mit einem professionellen Lächeln, nur manchmal entschlüpfte ihr ein “Untertänigsten Dank! Sie haben eine einfache Verkäuferin sehr glücklich gemacht”.

Xela

Ich sehe schon, leichte Beute. Los Kinners, bringt euch unauffällig auf dem Dach in Stellung.

Kann ich meins mit Ketchup haben?

Drüben bei Uwe’s gäb’s heute Labskaus!

Ich will aber Pommes!

Zum letzten Mal: gegessen wird, was Papa ergattert! Früher hatten wir nix. Wir mussten Krabben jagen. Ganz sandig waren die und nicht gepult. Aber der krüsche Nachwuchs kennt das gar nicht mehr. Ihr wärt verhungert ohne Fischbrötchen!

Papa, du bist voll peinlich.

Penelope

Hier ist es einfach nur scheußlich.

Stopp! Dein Fokus bestimmt, was Du siehst!

Aber ich hasse Fischbrötchen, Fettgeruch beim Spazierengehen, Menschenmassen, Hochhäuser, langweilige Grünflächen, kopfweherzeugendes Geglitzer auf Wasserflächen, knall Sonne.

OK, dann verbuchen wir als Erkenntnisgewinn, dass wir nie wieder Zeit damit verschwenden, hierher zu kommen.
Ich hole mir nur rasch noch ein Fischbrötchen.

Aus: Positiv denken für Fortgeschrittene

Edith Mair 💙💛

“Alles viel zu teuer hier”, schimpft der Mann.
“Kein Kaufzwang”, erwidert Trude achselzuckend. Sie kennt solche Kunden.
“Frechheit!”, faucht der Mann.
“Pst, Egon! Die Leute schauen schon”, raunt die Frau neben ihm.
“Lassen Sie die Kunden heran, die wirklich kaufen wollen”, fordert Trude.
“Unerhört!” Der Mann geht keifend weg.
Seine Frau watschelt ihm nach.
“Leute gibt’s”, meint eine Dame kopfschüttelnd und kauft ein Fischbrötchen mehr als sie ursprünglich wollte.

fraujessica

“Und Du Simon? Fischbrötchen oder Bratwurst?”
“Beides!”
“Nein, das geht nicht, dann haben das Schweinchen und der Fisch Krieg in Deinem Bauch!”
“Gar nicht! Die spielen miteinander und sind nicht so allein!”
“Entscheide Dich!”
“Ach komm, Emma, lass ihn doch, wenn er so großen Hunger hat, ich kann auch zahlen.”
“Danke Tante Lisa!”
30 Minuten später muss Simon kotzen.

Cord Gudegast

„Sushi. Voll lecker“, sagte Emelie und deutete auf den Verkaufsstand vor uns.
Ich drehte den Kopf zur Seite, damit sie mein Augenrollen nicht sah.
Dämliche, Latte macchiato schlürfende, Cafehausintellektuelle! Ich rang mir ein Lächeln ab. „Ja, das könnte nur noch besser sein, wenn es gegrillt wäre. Und aus Rind. Aber egal. Fischbrötchen sind nicht aus rohem Fisch.“
„Nein?“
„Nein. Waren sie nie, werden sie nie sein.“
„Gehen wir weiter.“

Klaus

De gustibus non est disputandum …
aber eins sage ich Euch:

Über die Grenzen des guten Geschmacks,
da streite ich gern: sowohl schnur als auch stracks.
Ich tu das beim Denken, beim Kochen und Essen
und lass mich vom Neuen und Fremden nicht stressen:

Ich bin offen für vieles und sehr kreativ
und denk’ zwar nicht quer, aber krumm oder schief
und ich esse auch Bratwurst vom Rind oder Schwein …
aber Fischbrötchenbratwurst: das muss doch nicht sein!

Feli

Zwischen bocksgemähtem Rasen
und Leviathans Repos
zieht der Kult zum Opferwasen.
(“Meinst du uns? Wir chillen bloß.”)

Ist Johannni? Jul? Walpurgen?
* checks notes * Ah, Ostaras Fest!
(“Selbst schuld, wer vom Demiurgen
und Grimms Mär sich takten lässt.”)

Seht, das Heidvolk hebt die Hände,
bietet dem Gehörnten Gruß
(“Quatsch, wir feiern Wochenende!”),
schwingt zum Tanz den Pferdefuß.

Wehrt dem –
– “Chill mal auch, du Sack,
komm zum Satanistenpack!”

daftwullie

“Moin”
“Das Übliche?”
“Kennst mich ja.”
“…”
“Viel los hier.”
“Hm?”
“Für einen Dienstag Morgen. Die Leute?”
“Die? Die sind für die Schwarze Kogge da.”
“Ach, ist das heute?”
“Soll demnächst einlaufen.”
“Die hierher zu bekommen war ja ganz schön kniffelig.”
“Was?”
“Kniffelig. Schwierig halt. Weißt schon. Als ob sie nich wollte.”
“Kniffelig. Das habe ich auch schon lange nicht mehr gehört … kniffelig …”
“Ich glaub das schau ich mir von unten an. Bis morgen”
“Bis morgen.”

o/1MS\o ⌨️🐧 | #​⁣​​⁣​​​​​​​​WeAreNatenom

👑

“Palim, Palim!”
“Moin. Was darfs sein?”
“Eine Flasche Pommes bitte.”
“Tut mir leid, aufgrund der massiv gestiegenen Ölpreise bieten wir keine Pommes mehr an.
Es gibt aber noch Fischbrötchen oder Bratwurst.
Wobei es aber Dosenfisch ist, da frischer Fisch wegen der Ölpreise nicht mehr bezahlbar ist.
Und die Bratwurst ist vegan, da auch die Preise für Fleischprodukte massiv gestiegen sind.
Was darfs also sein?”
“Hmm, was mache ich jetzt mit meiner Flasche?”

Andreas Kilgus

Wie so oft seit Jahresbeginn stand Eberhard neben seinem Imbiss und schaute ratlos auf die Perlenschnur vorbeiziehender Menschen. Der Grill blieb kalt, niemand kaufte mehr etwas.

Warum nur? Der Fisch war so frisch wie immer, die Bratwurst kam seit Jahren vom selben Lieferanten auf dem Festland.

Er würde seine Großenkelin Julia bitten, mal in diesem „Internet” zu recherchieren. Vielleicht lag es ja am neuen Slogan seiner Heimat: „Deutschlands erste vegane Insel”

Tanja Wawuschel

Connie liebte es, wenn ein Plan funktionierte.
In ihrer Heimat im bayerischen Dorf hatten sie die Einheimischen ausgelacht und die Touris gemieden, als bekannt wurde, dass ihre Weißwürste und Frikadellen vegan waren.
Also zog Connie ans Meer und eröffnete ihre Imbissbude, ohne irgendwem das Geheimnis der “leckersten Fischbrötchen in ganz Ostfriesland” zu verraten.

Nur Polizei und Gesundheitsamt wussten davon, aber kostenlose Bratwürste wirkten im Norden Wunder….

Katja

Niemand hat Appetit auf Fischbrötchen oder Bratwurst. Man steht dicht gedrängt am Ufer, hält einander an den Händen oder starrt, in sich gekehrt, auf den gewaltigen Berg aus Fleisch. Der Wal liegt reglos da, ein gestrandeter Koloss, ein sterbender Leviathan. Sein Atem wird flacher, die Fontänen seltener, während Möwen ihren verfrühten Leichenschmaus halten und erbarmungslos in seinen Rücken picken. Ein großes, langsames Sterben.

Johnny Than

Vati hatte ihnen ein Fischbrötchen gekauft. Ein einziges, zum teilen.

Ab dem Fischbrötchen gab es nur noch Streit zwischen ihr und ihrer Schwester. Streit an der Promenade, streit im Zug zurück, streitend nach Hause. Vati schickte sie ins Bad, Zähne putzen. Ihr Streit ging weiter. Sie schubsten sich, wohl etwas zu feste.

Beide starben damals, die Schwester war nun tot unter der Erde und sie selbst über der Erde.

Sie kaufte zwei Fischbrötchen.
Keins war für Vati.

Fediverse Reactions

Comments

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *