Ausgerichtet von Stenzz

Stachelgarten

Liebe Fluggäste, hier spricht Ihr Kapitän.

Wir wurden gerade vom Tower Kippenheim informiert, dass sich auf der Landebahn ein Schlagloch befindet und wir daher nicht landen können.

Sie müssen sich jedoch keine Sorgen machen: Wir haben ausreichend Fallschirme an Bord, sodass Sie auf diesem Weg Ihr Flugziel erreichen.

Während wir kreisen, helfen Ihnen unsere Flugbegleiter*innen beim Anlegen Ihres Fallschirms.

Vielen Dank, dass Sie mit uns geflogen sind.

FlexMorkis

„…und dann meinte dieser alte Kautz, die Ländereien und Häuser in dieser Gegend werden einmal mehrere hunderttausend Schilling wert sein. Hahaha!“
„Und habt ihr Land dort gekauft?“
„Land gekauft? Mitten im Nirgendwo? In einem Dorf das niemanden interessiert? Wo denkt ihr hin, guter Mann, natürlich nicht.“
„Und wie genau sagtet ihr nennt sich dieses Kaff?“
„Berlin… oder so“

fin 🦣

Seit Wochen fotografierte er gruselige Orte, es war schließlich ein Gruselfilm. Nach der einsilbigen Begrüßung, als er die Geschichte erzählte, vernahm er im Gesicht des Hausherren ein nervöses Zucken.

Das Foto an der Wand versetzte ihn in Schrecken. Das gleiche Foto fand sich auf dem Deckblatt des Drehbuchs.

“Ein eigenartiger Zufall”, murmelte er.

Der Mann stand so dicht hinter ihm, dass er dessen Atem spürte: “Wer hat dich geschickt?”

Dann rannte er.

Tanja Wawuschel

T wusste, dass sie wieder keine Chance haben würde, @stenzz mit ihrer Kurzgeschichte zu überzeugen, weil wieder unbekannte subjektive Familien-Erinnerungen und Gedanken mehr zählen würden als Fairness, objektive Inspiration und Qualität.

Deshalb verzichtete T darauf, sich mit ihrer Zeitmaschine auf die Suche nach diesem Ort und einer kreativen Geschichte zu machen.

T würde die Entscheidungen, die trotz alledem zu seiner erneuten Runde geführt hatten, nie verstehen.

Katja

„Ich vermache dir diese Aufnahme, die dich zu meinem größten Schatz führen wird.“
Sie las den Brief mehrmals und starrte dann auf das Luftbild, bis ihr die Augen tränten. Wenn das hier eine Schatzkarte sein sollte, wo war dann das verdammte Kreuz? Und was war das überhaupt für ein Ort? Sie verließ den Central Park und schüttelte verärgert den Kopf. Ihre exzentrische Großmutter trieb sie selbst über den Tod hinaus noch zur Verzweiflung.

Raphael

1899
ER liegt auf dem Rücken, schaut den Vögeln beim Fliegen zu und träumt davon die Welt von oben zu sehen.
Der Vater findet IHN

Träumer!
Nichtsnutz!
Faulpelz!
Taugenichts!

All die Jahre

1905
Kleines Bündel, lange Strasse.
Nur weg, kein Blick zurück. Fort von allem was ER kennt, weg um nie zurückzukehren.

1910
Ein Umschlag im Briefkasten. Der Vater öffnet ihn.
Darin dieses Foto.
Auf der Rückseite wenige Worte.

“Nur wer Träumt ist wirklich frei”

fraujessica

„ich glaub, ich hab was…“
„was denn?“
„ich was nicht, aber die kristalline bauklötzchenstruktur ist unterbrochen. es könnte eine nervenzelle sein.“
„lass mich mal sehen… ja… das könnte wirklich eine zelle sein. ein erstes anzeichen, dass die blaue kugel lebt.“
„wir haben es ja schon vermutet, wir sollten die these überprüfen und sie reizen.“
„solar-phaser is klar“
„impuls!“
„keine mobilität messbar, wohl doch nur eine anomalie im kristall.“

CS

Es war der erste schöne Sonnentag im Mai. Alle wollten nach draußen, das warme Frühlingswetter genießen. Raus vor die Stadt auf die Badewiese.
Doch diejenigen, die erst am Nachmittag losgekommen waren, mussten mit Erschrecken feststellen, das kein Platz mehr frei war. Schon am Morgen hatten die Frühaufsteher ihre Handtücher herausgelegt und ihren Liegeplatz reserviert.
Nur merkwürdig, wo waren die ganzen Menschen? Ein Handtuch lag neben dem anderen, aber kein Mensch war zu sehen.

Anya Karl

“Opa, warum war die Welt da nicht bunt?
Hat einer die Farben geklaut?”
Ben betrachtete sein Urenkelkind.
“So ähnlich. Einige wollten damals nur noch Schwarz, Weiß und Rot. Deshalb haben sie alle Farben zusammengeworfen. Probier mal!”
Er holte seinen alten Farbkasten und
Kai mischte sämtliche Farben.
“Uih! Alle weg! Nur noch braun! Wie Schokolade!”
“Ja, für einige, für andere war es …”
“Wie Kaka!”
Kai verzog das Gesicht.
“Genau! Und die gehört …”
“… ins Klo!”

Sylvia Borin

Jupp, isch bin et. Fahre gerade mit dem Ballon über RP und rate was ich gefunden habe.
Nein, nicht das Bernsteinzimmer.
Rate nochmal.
Nein auch nicht die Bundeslade.
Hihi, Bundesverlade. Der war gut.
OK, OK.
Ungefähr 1000m unter mir stehen deine gestohlenen Container. Fein säuberlich aufgereiht.
Ja so wie es aussieht alle 10.000.
Ich schick dir die Koordinaten, dann kannst du die Teile abholen.
Bis später, Alter.

Johnny Than

Wir schauen schuldbewusst hinab,
und sehen ein einzig großes Grab.

Krieg hat keine Farbe, keine Freude
Krieg hat Tod und Teufel nur
Krieg ist allerletzte Handlung
Krieg ist wirklich Scheiße pur.

Fliegen ist Freiheit nur im Frieden.
im Krieg sind Flieger Todesschmieden.

Felderstreifen, Häuser, Bombe, Bumm,
das ist die schreckliche Erinnerung.
Jetzt singen wir unsere Fliegerlieder,
und enden laut mit “Niemals wieder.”

NIEMALS WIEDER!

Edith Mair 🇺🇦

Versuche es, dann wirst du es wissen, sagt die weise Fee.
Gut.
Ich wippe kräftig mit den Armen – und fliege! Ich fliege über die Dörfer, über die Felder! Schwalben beäugen mich argwöhnisch. Ein Kind deutet zu mir herauf, seine Mutter reagiert nicht. Wer glaubt schon Kindern?
Dann muss ich plötzlich niesen. Und falle! Ich falle!
HILFE!
Vertraue dir, riet die Fee einst, und du schaffst Unmögliches.
Ich wippe wieder mit den Armen – und fliege weiter.
Die Fee hatte recht.

Mike G. Hyrm

das mikroskop
macht eindringlich
erschreckend bewusst
welche gravierenden auswirkungen
schädlichen entwicklungen
extremen folgen
dieser parasit auf seine
lebensumwelt hat
wie auf alle lebewesen
in diesem habitat
selbstzerstörerisch durchfrisst
dieser das gesamte ökosystem
zerstört vernichtet
trotz selbsterkannter alternativen
welche die zukunft
des lebens erhalten würden
erwirtschaftet die menschheit
sinnbefreit konsumierend
den eigenen tod

Klaus

Schwarz und weiß und grad und krumm,
hell und dunkel ringsherum.
Wies an Wiese, Weg an Weg,
ein Dorf, geformt fast wie ein Steak.

Links eher wild und rechts penibel
(rechts wird mir politisch übel!),
oben Häuser unten nicht,
teils im Schatten, teils im Licht.

Was das Bild uns sagen kann?
Schau von oben dann und wann,
denn anders wirken die Motive
aus ‘ner neuen Perspektive!

Daftwullie

Das leise Gemurmel des alten Mannes am Leuchttisch war nur schwer zu vernehmen. “Das ist verkehrt herum, mal wieder Norden und Süden vertauscht.”

Unerwartet kitzelte ihn der Duft einer blühende Wiese in der Nase, schmeckte er frisch gebackenes, noch warmes Brot. Er spürte die Wärme der Katze auf seinem Bauch.

Das war seine Kindheit.

Er versuchte durch die tränenden Augen und die Lupe etwas zu erkennen. Doch, das Dach der alten Synagoge blieb unversehrt.

Penelope

Es war ihr Meisterwerk. Es würde im Foyer des Rathauses hängen.
Hintergrund jedes offiziellen Fotos.

Als Enkelin des Dorfwirts kannte sie als Einzige noch die damaligen Eigentümer eines jeden Schlages und alle waren von ihrer Bitte um ein Stückchen Stoff geschmeichelt.
Nun war ihr Patchworkwandbehang endlich fertig.

Der Clou aber war, dass sie die entsprechenden Stoffstücke so präpariert hatte, dass mit der Zeit auf ihnen das Wort NAZI erscheinen würde …

Mina

Die Buche am Waldesrand hatten sie vor Jahren gefällt. Waren Tische, Stühle, Räucherholz daraus geworden.

Der blanke Stumpf mit seiner rauen Fläche war geblieben und gab neuem Leben Raum. Die ersten, die kamen, waren die Pilze. Ihnen folgten die Ameisen, die sie ernteten.

So viele gab es, das jene letztlich blieben und sich kräftig vermehrten.

Von nahem könntest du sie emsig krabbeln sehen und ihre Wege im Holz erschienen dir wie eine kleine Stadt.

Feli

“Spargelschäler, angetreten!”,
hieß es damals jeden Mai,
und aus Nachbars Erdbeerbeeten
stürmten Klaus und ich herbei.

Dann kamen statt Mai die Flieger.
Vater blieb im Trümmerfeld.

Und der Bomber galt als “Sieger”,
denn man spielte (um die Welt).

Seitdem bin ich Spargel über.
Wem er mundet: Be my guest!
(Statt Gemüse schau ich lieber,
_wer_ da speist.)

(Und speisen lässt.)

Deathcat2508

Seufzend massierte sie ihren Nacken und zog die nächste Luftbildaufnahme heran. Hübsche Gegend, viele Felder. Sie würde hier nicht so oft fündig werden, wie bei den Großstädten. Akribisch tastete sie sich mit dem Vergrößerungsglas über die Karte. Jede Auffälligkeit wurde präzise dokumentiert. Letztendlich würden auch hier die Kollegen wieder Arbeit bekommen. Sie hoffte, das ihre Ziele so lange schlafend im Boden ausharren würden, ohne selbst aktiv zu werden.

Early Twix 🏳️‍🌈

Endlich war sie alt genug die Reise in die Zukunft anzutreten, mit den Flügeln zu schlagen, den Rhythmus zu finden der sie auf den Zeitwellen vorantrieb. Sie war gespannt was sie entdecken würde in der Zukunft ihrer geliebten Wälder und Flüsse voller Leben und was sie den Ihren erzählen konnte um das Bild der Zukunft weiter zu malen – so wie es jede Generation tat.
Einen Flickenteppich aus erbärmlicher Artenarmut hatte sie nicht erwartet


Comments

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *