Ausgerichtet von Jonny Than
fin 🦣
Der liebe alte Mann lief lahm, aber sie waren lahmer, schleppten sie doch das sperrige Vogelhaus hinter ihm über eine nicht enden wollende Allee, die sich wie so manche #Freitagstexterei zunehmend verdichtete.
Er winkte ihnen zu, setzte sein gewinnendes Lächeln auf, doch dann verwandelten sich Gesicht samt Körper in die Nerd-Gestalt.
Sie glotzten entsetzt. Diesen Morpheffekt mochten sie gar nicht.
“Tiefer müsst ihr. Tiefer. Wo der Schmerz sitzt. Dort müsst ihr hin.”
petros
Hier eine verspätet eingetroffene Rückmeldung eines Autoren namens Schiller. Er schreibt gerade an “Wilhelm Tell”.
Durch diese hohle Gasse muss er kommen,
Es führt kein andrer Weg nach Küssnacht – Hier
Vollend ich’s – Die Gelegenheit ist günstig.
Dort der Holunderstrauch verbirgt mich ihm,
Von dort herab kann ihn mein Pfeil erlangen,
Des Weges Enge wehret den Verfolgern.
Mach deine Rechnung mit dem Himmel Vogt,
Fort musst du, deine Uhr ist abgelaufen.
Ich lebte still und harmlos – Das Geschoss
War auf des Waldes Tiere nur gerichtet,
Meine Gedanken waren rein von Mord –
Du hast aus meinem Frieden mich heraus
Geschreckt, in gärend Drachengift hast du
Die Milch der frommen Denkart mir verwandelt,
Zum Ungeheuren hast du mich gewöhnt –
Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,
Der kann auch treffen in das Herz des Feinds.
fraujessica
Sie war da. Im Baumtunnel. MTB, Helm, Handschuhe, Radlershorts. Sie bremste und ihre Scheibenbremsen griffen lautlos. Wo waren ihre Handschuhe und was flatterte da um ihre Beine? Sommerkleid, kein Helm und plötzlich quietschten die Felgenbremsen ihres Damenrads. Es war also wahr. Sie fuhr weiter und bremste mit der Stempelbremse an der versiegten, sprudelnden Quelle. Sie stieg ab, betrachtete sich und ihr Herrenrad. Sie musste in den 1920ern sein. Sie trank.
Mike G. Hyrm
umweglich
geradegrün
fandich
aufbauschigschön
schlenderndging
gedankenpfeifend
opulentkatsching
seelbegreifend
friedvollseindahin
fandruhendklar
gelassenheit
imtäglichstarr
dermöglichkeit
sofühlteich
desherzensfrieden
liebeflatterndfliegend
tiefinmirgeeicht
freiseinohneschranken
hierfürmagichmich
aufsherzlichste
befreitbedanken
Edith Mair 🇺🇦
Sie rannte.
Sie keuchte.
Sie rannte.
Nur einmal im Jahr öffnete sich der Weg hinaus aus der Zauberwelt. Sie musste fort! Ohne Magie war sie dort heillos unterlegen.
Sie rannte.
Kurz sah sie nach hinten. Am Weg wuchsen Bäume rasend schnell auf sie zu!
Sie drehte sich wieder um, rannte noch schneller und erschrak: Der Weg vor ihr verschwand in nahenden, mannshohen Dornenhecken!
Sie hielt an, kniete nieder, schloss die Augen und wusste: Sie war verloren.
Sylivia Borin
Wie ein Traum aus Licht und Leben, wie ein Phantom versteckt sich ein kleines Kätzchen, das mit seinen grünen Augen durch das Buschwerk linst. Was an diesem harmonischen Bild stört, ja regelrecht nicht von dieser Welt ist, ist die kleine Stupsnase, die ebenso grün wie ihre Augen durch das Laub funkelt und eine Dreieinigkeit des Fantastischen bildet.
Ihr seht mich nicht.
Stenzz
Links stehen Alte, knorrig, schwer von Jahren,
In ihrer Rinde Zeit und Widerstand;
Rechts junge Hölzer, unerfahren
Ungeduldig, waldentbrannt
Sie neigen sich drohend zu im Streit,
Ein Ringen, das kein Sieger je gewinnt;
Die Alten geben Schatten, die Jungen haben Schneid
Durchs Blattwerk wandert Wind
So wächst ein lichter Dom über diesen Pfad
Der zeigt, dass man es leicht vergisst,
Dass Leben nur im Gegenüber Leben hat
Und bald den Widerpart vermisst.
slowtiger
Als die Erntehelfer das erste Mal ausblieben, dachte sich niemand viel dabei. Nach einigen Jahren aber war der Markt zusammengebrochen, der Spargel ins Kraut geschossen und komplett verholzt. Nur wenige Bauern schafften es, rechtzeitig umzusatteln und Kururlaub in Laubengängen anzubieten.
bettina_rbe
Autrefois elle aimait voyager et parcourir les pays.
Là, pour elle, la distance maximum s’est réduite à deux-cents mètres –
Allers-retours – retours-allers
Pourtant cette pergola ombragée est devenue son chemin mieux aimé.
Rien ne lui manque.
Retours-allers – allers-retours
Soudain elle s’éveille de cette jolie rêverie et, avec un petit soupir, finit de faire sa valise.
Xela
Die Comtesse huschte durch den Laubengang. Endlich hatte sie die allzu neugierige Zofe abgeschüttelt. Drüben im Labyrinth wartete schon der schmucke Dragoner, der ihr die nächste Stunde versüßen würde. Ein Jüngling so knackig wie ein frisch gepflückter Apfel. Ganz anders als der malade Fürst, der mit ihrem reizvollen Körper nicht mehr viel anzufangen wusste. Aber sie hatte sich ihre Position hart erkämpft und würde sie freiwillig niemals abgeben.

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