Vor etwa einem Jahr sah ich die Fernsehserie Evil, in der eine Frau regelmäßig von nächtlichen Dämonen heimgesucht wurde. Unsicher, ob es sich dabei um reale Erscheinungen oder Träume handelte, konsultiert sie einen Psychologen.
Dieser empfiehlt ihr, ein Schild mit einer Aufschrift über ihrem Bett anzubringen, denn im Traum sei man nicht in der Lage, zu lesen, weil die entsprechenden Hirnareale im Schlaf inaktiv seien. Wäre das Schild während der Erscheinung des Dämons unleserlich, könne sie sicher sein, zu träumen.

Was für ein Unsinn! dachte ich, natürlich habe ich schon in Träumen gelesen.
Doch wir alle wissen: Erinnerungen im Allgemeinen und an Träume im Besonderen sind notorisch unzuverlässige Biester. Ganz sicher war ich also nicht.
Einige Wochen später träumte ich jedoch, ich hätte mich im Kölner Hauptbahnhof verlaufen und versuchte, mich anhand von Hinweisschildern zu orientieren, doch alle Schilder waren verschwommen und von daher komplett nutzlos. Bilder, in diesem Fall Werbeplakate, und Piktogramme waren allerdings klar zu erkennen.
Dann ist es also doch wahr, was sie in der Serie erzählt haben! durchfuhr es mich beim Erwachen.
Doch heute? Heute träumte ich, ich sei entführt und auf einer österreichischen Landstraße ausgesetzt worden. Diesmal versuchte ich mich, anhand eines Wegweisers an einem Kreisverkehr zu orientieren. Auf diesem gab es klar erkennbare Buchstaben, jedoch nur einen für jede Richtung. Wenig hilfreich.
Ich ging also in ein Bürogebäude, das sich neben dem Kreisverkehr befand und telefonierte mit der Polizei. Diese versprach, mich abzuholen. Deshalb begab ich mich in dem Nebenraum, der klar und deutlich mit Wartezimmer beschriftet war.
Was nun? überlegte ich nach dem Erwachen. Kann man nun doch im Traum lesen?
Ich tat also, was man so tut, wenn man nicht weiter weiß und konsultierte das Internet.
Das Netz verriet mir: Im Allgemeinen könne man nicht im Traum lesen, es gäbe allerdings Menschen, die glaubhaft versicherten, es doch getan zu haben. Dabei handelte es sich vor allem um Menschen, die viel mit Sprache und Schrift zu tun hätten und bei luziden Träumen käme es vor.
Ich denke allerdings, dass das bei mir mit der Wartezimmer-Schrift heute nur geklappt hat, weil ich bereits ganz kurz vor dem Aufwachen war und die entsprechenden Hirnbereiche bereits erwacht waren.

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